Schizophrenie und zwar kollektive.

Ich wurde jüngst auf ein ganz besonderes Merkmal der modernsten Gesellschaft aufmerksam gemacht; den Widerspruch zwischen dem Streben nach Einzigartigkeit und dem Willen, nicht aufzufallen. Und tatsächlich: Gleichsam inflationär wird um sich geworfen mit hohlen Phrasen, die in den mächtigsten Tönen den Individualismus wie eine Gottheit anpreisen, die glauben machen sollen, man stehe zu sich selbst, die jede Form von Konformismus zu negieren suchen und gerade dadurch von einer solchen Angepasstheit zeugen wie nichts Zweites: Wo überall der Konformismus verurteilt und verneint wird, wo er also vor lauter Gegnerschaft nicht im geringsten existieren dürfte, wäre der Schrei nach Individualismus allzu aberwitzig, denn er wäre gar sinnlos. Es ist die angestrebte "Einzigartigkeit", die allenthalben zu einem kollektiven Für-sich-selbst und Gegeneinander führt. Einzig und allein wer diesem Konflikt sich entzöge, wäre ein wirklicher Individualist; denn der Weg zur Selbsterkenntnis führt über sich selbst, nicht über andere; dabei steht heute deutlicher denn je weniger die Selbst-Erkenntnis und immer mehr die Selbst-Vermarktung im Vordergrund. Dass nun ein jeder danach strebt, eine Art Wiedererkennungswert zu erreichen, sich also in gewissem Sinne Konsumqualitäten anerzieht, führt letztendlich dazu, dass - wie es im Realkapitalismus tagtäglich geschieht - Kopien angefertigt werden; Imitatoren, "Nachmacher" schleichen sich ein und geben das von ihnen Kopierte als das unantastbare Original an. Und wer mit dem Vorsatz, sich selbst zu finden, kopiert, was er sieht, ist so konformistisch, dass er wohl ohne Zweifel die Form eines gleichseitigen Dreiecks annähme, wenn es denn die gesellschaftlichen Verhältnisse erforderten. Es ist also einerseits schon das Verlangen nach Individualismus, das allzu widersprüchlich ist, denn es bestünde gar nicht, hätte nicht die Masse den Gedanken an kollektiven Nonkonformismus so populär gemacht; man strebt miteinander nach Einzigartigkeit und geht dabei denselben Weg wie der Vorherige und der Nächste. Alle laufen sie in dieselbe Richtung, nur in versetzten Spuren. Andererseits ist da noch das "Schwimmen mit dem Strom", jene gezielte Angepasstheit, die nunmal ein jeder an den Tag legt: das Unterdrücken irgendwelcher Affekte, Äußerungen und Taten mit dem Ziel, nicht "aus der Reihe zu tanzen", das heißt: nicht (negativ) aufzufallen. Die Angst vor Nicht-Akzeptanz, die Furcht vor einem negativen "Image" machen es dem Menschen nur allzu schwer, seine Persönlichkeit, also: sein Innerstes, sein Wirklichstes unter dem Druck der Gesellschaft zu entfalten. Zu sehr quält ihn der Gedanke, das, was ihn bewege, könnte schlecht aufgefasst werden, könnte die anderen schlecht oder gar falsch von ihm glauben machen. Er fürchtet darum, seinen Ruf zu verlieren, Sympathien einzubüßen, seine Mitmenschen zu reizen oder zu verärgern; er will einer unangenehmen Situation möglichst unauffällig entgehen. Diese Unauffälligkeit, diese aus der Angst geborene Angepasstheit nun ist der Todfeind des Individualismus, wie er angepriesen wird. Und wo zwei Todfeinde einander gegenüberstehen, da ist der Konflikt bereits geschürt; die Gesellschaft reißt sich selbst auseinander.

3 Kommentare 27.6.11 14:34, kommentieren

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Du.

Du hast nie gewollt, dass ich über Dich schreibe. „Schreibe über jemanden, der deinen Worten gerecht wird.“, hast Du gesagt und dieses verletzte Lächeln auf Deinen Lippen umher getragen. Selten hast Du wirklich frei gelacht, heute verstehe ich das. Heute, an diesem Tag, wird es mir klar, doch jetzt ist es zu spät. Wie konnte das passieren?
Viele Menschen kreuzen meinen Weg, er führt direkt durchs Leben, es gibt keine Möglichkeit ihn zu umgehen, als ob es überhaupt in meiner Hand läge, zu entscheiden, woher ich komme und wohin ich will. Diese vielen Menschen, ungestochene Gesichter, verschwommene Körper, berühren mich nicht. Nur dein Gesicht, immer wieder Du, scharf und markant in meinem Kopf.
Sie kreuzen meinen Weg, und sagen: „Das was passiert ist,tut mir Leid.“ Und diese Floskel, denn mehr ist es nicht, bedeutet nichts, immerhin, was könnte ihnen denn Leid tun?
„Menschen sagen, dass es ihnen Leid tut. Aber ich würde sage: Ich teile deinen Kummer.“, damals habe ich angefangen zu weinen, weil diese Worte für mich so unfassbar schön klangen.
Und heute fange ich an über dich zu schreiben, denn Du, die sich niemals irrte, hat sich doch einmal geirrt. Du bist jedes meiner Worte wert, mehr noch: keines von ihnen kann Dir jemals gerecht werden. So ist es, und nicht anders. Meine Gedanken und Gefühle über Dich in Worte zu fassen, treffend zu formulieren, ist schwer. Immer wieder muss ich innehalten, mich zwingen nicht alles wirr und unverständlich aufzuschreiben, denn in Deiner Nähe fühlte ich mich immer unbeständig wie Schnee, so ist es noch heute.
In diesem Moment sehe ich den Regen draußen auf die Erde regnen, du hast nie verstanden wie Menschen sich deswegen ärgern können.
„Es regnet.“, hast Du gesagt und zufrieden geklungen, „Endlich wieder Regen.“ während unser Nachbar fluchend ins Haus stürzte und brummelte: „Dieser verdammte Regen, wann hört das endlich wieder auf?“
Du, dieser Gegensatz von allem Normalen, hast den Regen geliebt, diese ungemütliche Kälte und die hetzenden Menschen draußen auf den Straßen verachtet, die in stürzender Hast einen warmen, trockenen Ort aufsuchten sobald erste Tropfen die Wege schlammig machten und das Kopfsteinpflaster dunkel färbten.
Ich habe versucht diese klamme Kälte,genauso zu lieben wie Du, aber es war mir nicht möglich, also lief ich immer mit hochgezogenen Schultern neben Dir durch den Regen, und glich jedem Anderen auf den Straßen, außer Dir. Ich konnte einfach nicht anders. Inzwischen ist es Herbst, und ich vermisse die Vögel, die sich sonst immer in dem Baum vor meinem Fenster tummeln. Ich vermisse ihren Anblick, aber ich mache mir nichts vor, sie fehlen mir nur, weil sie mich an dich erinnert haben. Daran erinnert, wie wir beide vor meinem Fenster saßen. „Ein Vogel wäre ich gerne, nicht allein um des Fliegens Willen, sondern wegen ihrer Freiheit.“, hast Du gesagt und dein Lächeln gelächelt.
Dich zu vermissen ist wie nur halb zu sein, Du fehlst mir.

Du hast mich das gelehrt, was für Dich die Welt bedeutete:
Kirschkerne weit spucken zu können, und dennoch habe ich Dich nie darin geschlagen, Steine übers Wasser hüpfen zu lassen, und doch bin ich nie über fünf Aufschläge hinaus gekommen. Das Wichtigste jedoch, habe ich erst nachdem Du fort warst, unwiederbringlich fort, gelernt: dass ich auch irgendwie ohne dich klarkommen muss.
Und heute, wo ich hier sitze und den Regen auf die Erde fallen sehe, verstehe ich Dich, denn ich trage nun Dein Lächeln auf meinen Lippen, finde Regen beruhigend und liebe die Kälte, die er mit sich bringt.
Und ich weiß, dass mein Stein nun öfter aufkommen wird, bevor er im Wasser versinkt.

16.6.11 17:08, kommentieren

Angenehm, Freund mein Name.

Angenehm, Freund mein Name. Ich bin hier um dich zu unterstützen, ich bin hier um deinem Leben einen Sinn zu geben, denn wenn du niemanden hast,den du enttäuschen kannst wird alles schief gehen. Ohne mich bist du der einzige ,der deine Last trägt. Ohne mich würdest du dich selbst verletzen, nicht mich. Aber ich stecke das weg, denn dazu sind Freunde schließlich da. Ich schieße dir ins Bein, du reißt mir den Kopf ab, und nach einer halben Stunde lachen wir gemeinsam über uns. Ich verstehe dich und du mich. Ohne uns wären wir alleine, und je mehr wir sind umso mehr verstehst du es zu schätzen, dass es nie auf die Masse ankam, wir hatten dieselben Ziele, doch sind wir verschiedene Wege gegangen. Der kleine Junge von einst, der Rebell, der der oftmals für Ärger sorgte, auch wenn er nur seine eigene Meinung zum falschen Zeitpunkt äußerte bist du nun schon lange nicht mehr, vernünftig und absehbar, das bist du nun. Ich frage mich wer mehr zu bedauern ist, du oder ich?
Was allerdings am traurigsten ist, wenn du gehst, werde ich jemand Neues finden,der mich wieder ein Stück des Weges begleitet. Irgendwann werde ich ein Foto von uns finden, ich werde weinen und an dich denken, ich werde denken, was aus dir geworden ist, werde in den Spiegel blicken und mich fragen was aus mir geworden ist. Zu viele Gedanken an einem Stück Papier, ich werde es verbrennen und mit dem Rauch wirst du davonziehen, denn du hast neue Freunde, genau wie ich. Und irgendwann, wenn wir uns wieder sehen werden wir uns nicht mehr kennen. Ich werde dich vermissen.Traurig, aber so ist der Lauf oft, was "Freundschaften" betrifft. Die wenigsten Menschen schaffen es solch hinterbleibende Eindrücke zu schaffen, denn irgendeinem wird es immer zu langweilig, oder derartiges. 

9.6.11 12:49, kommentieren

So ist das.

"Fast alles was du tust ist letztenendes unwichtig, aber es ist sehr wichtig, dass du es tust. Denn niemand sonst wird es tun. Jemand tritt in dein Leben und die eine Hälfte von dir sagt, du bist noch lange nicht bereit, während die andere Hälfte sagt, sorg dafür, dass sie für immer dir gehört."

 

Wie falsche Träume, alle Freuden vergangen, unwiederbringlich die vertändelten Tage, das Falsche geliebt, erstorben das Verlangen:

Von dem, was gewesen, bleibt nur die Klage.

 

8.6.11 19:02, kommentieren

Jawohl.

Virtuelle Geschlechtsteile rammen mit 16 kbits pro Sekunde aufeinander zu, Spermien in Datenpaketen verpackt schießen durch die Kabel und treffen am Ende in den Input. Er ist drin. Fraktion eins darf sich nun in höchstem Maße verwöhnt fühlen und eine Zigarette anzünden. Fraktion zwei muss erstmal durchatmen, da Fraktion eins auf der Leitung gegenüber ziemlich wild war. Er tippt "ich liebe dich". Sie tippt "ich dich auch". Neun Monate nach dem Attentat tippt sie: "Ich bin Schwange." worauf hin er tippt: "Das nächste Mal mit Verhütungstool und Safetypatch."

Willkommen im 21ten Jahrhundert.

2 Kommentare 6.6.11 14:46, kommentieren

Alltag.

Man sitzt in der Schule und sieht alle die anderen Schüler um sich herum. Manche erwecken den Anschein zu zuhören, manche dagegen wirken völlig abwesend. In manchen Gesichtern steht die Geschichte von Ihnen geschrieben. Eigentlich heftig oder nicht? Augen als Spiegel zur Seele..in der Tat. Dem Blog zufolge merkt man, dass ich selbst ziemlich abgelenkt bin und überhaupt nicht bei der Sache.

1 Kommentar 31.5.11 08:59, kommentieren

Engel auf Erden.

Der anschaulichste Mensch, den die Welt je bestaunen durfte. Mehr Anmut als die schönste Rose besitzen könnte, trotz der paradoxesten Bewegungen. Die Augen strahlend blau.. blauer als ein Himmel an Sommertagen nur strahlen könnte. Schwarze glatte Haare, volle rosé farbene Lippen und ein Lächeln, das einem an den dunkelsten Tagen, Sonnenstrahlen in's Gesicht scheinen ließ. Nirgendwo wirklich zu Hause, ausser in der Natur und ihrer eigenen Welt, die sie sich mit ihrer grenzenlosen Fantasie geschaffen hatte. Jedoch dazu in der Lage jedem das Gefühl, endlich zu Hause zu sein, durch ihre Anwesenheit zu schenken. Unschuldig wie ein Neugeborenes durch ihre unerschütterliche Naivität, durch den unerschütterlichen Glauben an die letzten schönen Kleinigkeiten in dieser Welt. Leicht zu begeistern mit den einfachsten Dingen, einer Feder, einem Stein, Blueten aus denen Baumwolle waechst. Ein Kind der Natur, ein Kind getrieben von Erziehungsversuchen durch diese grausame Welt, auf der Suche nach der ewigen Freiheit. Das Blut fließt durch die Adern, gefolgt von einem warmen Schwall von Chemikalien die ihr offenbarten, das was sie lebte, noch intensiver zu fühlen,als sie es schon tat. Wer auch immer sie mit Füßen trat wurde doch wieder in Momenten der Verzweiflung von ihr mit offenen Armen empfangen. Trotz dem Chaos, das sie liebevoll ihren Alltag und ihr ueber alles geliebtes Leben nennt, verliert sie sich in sich selbst, in all den Schlägen des Schicksals . Es blieb ihr verwehrt zu verstehen, es blieb ihr verwehrt vollkommen frei zu sein. Sie konnte nicht ausbrechen, aus dem Käfig, der sie hinderte die Flügel auszubreiten. Ein unbeschwerter Abend, ein Zusammentreffen von Seelenverwandten, sollte ihr all dies verwehren . Die Vorfreude auf einen Neubeginn, ihren Neubeginn und die Wirkung des Alkohols sollten ihr das wertvollste nehmen das sie besaß.
Sie tanzte barfuß durch ihr Leben, unwissend, dass es spitze Steine auf dem für uns ausgewählten Weg gibt. . Und so tanzte sie auch den Streifen dieser einen Schnellstraße entlang, der einzige Weg in Richtung Zivilisation. Doch Konsum und Leichtsinn,sollte nicht nur ihres sondern unser aller Leben verändern. Sie tanzte, tanzte voller Elan, voller Vorfreude auf einen neuen Lebensabschnitt. Einen Lebensabschnitt in dem sie sich, Träume und Wünsche ihrer selbst verwirklichen wollte. Ein Lebensabschnitt,der schneller enden sollte, als er anfangen konnte. Trotz ihres Strahlens, war diese Nacht zu dunkel, dunkler als andere Nächte und ehe ihr der Wind noch ein letztes Mal durch das Gesicht streichen konnte, musste sie von allem ablassen, alle Wünsche und Träme aufgeben...Das Auto war zu schnell, ihr Leichtsinn zu groß. Das Leben zu früh beendet. Wiederbelebung noch in der selben Nacht.  Das Herz schlug wieder doch das Gehirn schwoll um jeden Schlag den das Herz nun wieder tat ... keine Chance in Sicht. Geräte übernahmen nun die Arbeit, die sie selbst nichtmehr leisten konnte. Zu schwach um noch Widerstand leisten zu können. 4 Tage gebangt und gehofft am Bett, tausende Gebete gesprochen, so wie Tränen geweint. Vergebens. Diese wunderschöne Blume war zum Welken verurteilt, der Glanz in diesen großen Augen geschwunden und die Lider nicht mehr bereit sich zu öffnen. Die letzten Sonnenstrahlen hatten ihre Arbeit getan und weichten dem tristen Herbst. Die Bäume und Straßen schienen an ihrem letzten Tag in Einklang zu kommen und ein Lied zu spielen. Ein Lied fuer sie. Ein Lied zum Abschied, zum Abschied eines Engels, der der Welt nicht länger gegönnt war. Jedoch .. das Schlimmste von allem ist, das Schicksal wurde von ihr selbst gelenkt.

Die Kunst des Überspielens lag ihr sehr gut ...

30.5.11 19:48, kommentieren